Einfach angesagt sein.

Martti Trillitzsch vor dem Kioski – dem Fürther Eldorado für finnische Musik und finnisches Design. ©Stadt Fürth
Weltoffen

„Einfach Fürth sein“ – Fotostory mit Martti Trillitzsch

Seine Sing-ins sind ein Juwel der Fürther Kulturszene – die Art, wie er Bands ansagt, auch: Martti Trillitzsch alias Mäkkelä. Der finnische Fürther ist nicht nur Moderator offener Bühnenabende, sondern auch Musiker, Musikverleger, Label-Betreiber, Ladeninhaber und Botschafter finnischer Lebensart. In einer kleinen Tour führt er uns an drei Orte in Fürth, die für ihn besonders sind.


Unser Interview beginnt im Kioski – dem Laden für finnische Musik und finnisches Design in der Hirschenstraße. Was ist es eher: dein Laden? Dein Leben?

Auf jeden Fall beides. Ich hab’‘ schon auch den Antrieb, Finnland und Fürth unter einen Hut zu bringen. Mit meiner Lebensgeschichte wird man automatisch zum Weltenwanderer. Manche finden die Idee verrückt, einen finnischen Laden in Fürth zu machen – für mich fühlt es sich eigentlich ganz logisch an.

Unser Interview im Kioski ©Stadt Fürth
Seine Labels, sein Leben: Martti Trillitzsch ©Stadt Fürth

Wenn wir gleich weiterwandern: Schauen wir uns doch ein bisschen in Finnland um – wenn auch nur gedanklich. Was ist mehr Heimat für dich?

„Mehr“ kann ich eigentlich gar nicht sagen. Ich bin ja wahnsinnig viel unterwegs und fühle mich immer da wohl, wo ich gerade bin. Das kann in Fürth sein, in Finnland, eigentlich überall in Europa.

Was würdest du gern von Fürth nach Finnland mitnehmen – und umgekehrt?

Was man dringend nach Finnland mitnehmen sollte, ist Bier – da sieht’s nicht so gut aus. Und umgekehrt? Hm, manchmal denke ich hier: Man kann auch mal ein bisschen weniger reden – darin ist der Finne ziemlich gut. Aber eigentlich sind der Finne und der Fürther gar nicht so weit auseinander.

„Hier fehlt Bier“: Trotzdem bleibt Finnland Martti Trillitzschs zweite Heimat. ©Stadt Fürth

Was verbindet sie denn vor allem?

Bei beiden dauert es immer ein Weilchen, bis man warm miteinander wird – aber wenn dann die Chemie stimmt, klappt’s gut.

Wir sind weitergezogen in die Badstraße, wo du deine legendären Sing-ins moderierst. Wie kam’s dazu?

Auf einer Tournee in England haben wir festgestellt, dass an Sonntag- oder Montagabenden – undankbaren Kneipentagen – sehr viele Pubs Open-Mic-Abende machen. Jeder, der sich berufen fühlt, kann etwas zum Besten geben. Ich dachte, das muss doch hier auch gehen.

Café Badehaus an der Rednitz in Fürth – der Ort legendärer Sing-ins. ©Stadt Fürth

Angefangen habt ihr auf der Kellerbühne des Babylon-Kinos?

Genau. Irgendwann ist die ganze Sache zu groß geworden – überraschenderweise –, und wir mussten in andere Locations ausweichen. Damit auch die Nürnberger was davon haben, machen wir es jetzt abwechselnd in beiden Städten. Immer sechs Bands, jede drei Songs. Und als fester Bestandteil eine extrem unseriöse Moderation, die wir machen.

Mäkkela – das zweite Ich des Singer-Songwriters. ©Carole Kaks Durios

Hat sich schon mal eine Band beschwert?

Ich glaube, die wissen mittlerweile alle, worauf sie sich einlassen …

Waren auch echte Perlen dabei?

Ja, zum Beispiel der Klezmer-Star Geoff Berner. Der hat beim Fürther Klezmer Festival gespielt und dann spontan bei uns drei Nummern drangehängt. Das war schon einer der schönsten Momente. Man muss aber wirklich sagen, dass auch unglaublich gute lokale Acts dabei sind.

Um musikalischen Nachwuchs muss uns also in Fürth nicht bang sein?

Nein – beim allerbesten Willen nicht.

Welche dieser Eigenschaften würdest du für Fürth unterschreiben: unkonventionell, unaufgeregt, oder manchmal ein bisschen verrückt?

Zum Glück manchmal ein bisschen verrückt.

Ausnahmsweise tagsüber im ausnahmsweise leeren Café Badhaus. ©Stadt Fürth
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Zur Person
Martti Trillitzsch

Martti Trillitzsch wurde auf Papua-Neuguinea als Sohn einer finnischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren. In puncto Musik und Design gehört er zu den Top Acts der Fürther Kulturszene. Bekannt sind vor allem die Sing-in-Veranstaltungen, seine Solokonzerte als Mäkkelä sowie seine Mitgliedschaft im städteübergreifenden Bandkollektiv Folk’s Worst Nightmare. Als überzeugter Kleeblattstädter nahm er 2012 das Nürnberg-Stipendium im Rahmen der dortigen Kulturpreisverleihung großzügig an.