Einfach a weng a Spinner sein.

Leitet das renommierte Entwicklungszentrum Röntgentechnik in Fürth: Prof. Dr. Randolf Hanke. ©Stadt Fürth
Fortschrittlich

Was machen Paläontologen, die in Montana/USA auf einen riesigen Saurierschädel stoßen – der aber mit dem Fels verwachsen ist? Sie kommen nach Fürth, ins Entwicklungszentrum Röntgentechnik der Fraunhofer Gesellschaft. Am größten CT-Scanner der Welt lassen sie sich zeigen, was Dino ist und was weg kann. Und das ist nur ein Beispiel für die spannenden Geschichten, die Randolf Hanke uns erzählt – über das Röntgen und die Freiheit, „Spinner“ sein zu dürfen.

Herr Hanke, wie kommt es, dass Sie eine 66 Millionen Jahre alte T-Rex-Dame scannen durften?

Die niederländischen Wissenschaftler sind zuerst zur NASA gegangen, dann aber durch eine Publikation auf uns aufmerksam geworden und in Fürth gelandet. Mit unserem Riesenscanner, der Objekte bis vier Meter Breite durchleuchten und tomographieren kann, haben wir dann zwei Wochen lang feinste Details des 500 Kilogramm schweren Schädels abgebildet. Wir mussten ihn dafür nicht mal anfassen. Sogar die Transportkiste blieb zu. Das hat die Paläontologen schon begeistert.

Nach 66 Millionen Jahren noch fast intakt: in Fürth gescannter T-Rex-Schädel. ©EZRT Fürth

Klingt ein bisschen nach Jurassic Park.

Ja, wir alle haben ganz neue Dinge über die Dino-Anatomie gelernt. Wir konnten eine lückenhafte Seite des Kiefers per 3D-Druck komplettieren, sehr genau das Alter bestimmen – und mit unseren Daten das weltweit erste vollständige 3D-Modell eines T-Rex erstellen.

Abgesehen von solchen Abenteuern: Wie sieht denn ein normaler Arbeitstag für Ihre 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus?

Wir helfen Industrie und Behörden, das „Innenleben“ von Dingen zu analysieren und zu prüfen, ohne sie auseinanderbauen oder zerstören zu müssen. Auch die Landwirtschaft, die sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen muss, arbeitet mit unseren Anwendungen. Wir haben ja hier nicht nur den größten Scanner der Welt, sondern auch den kleinsten. Mit dem können wir Samenkörnern beim Wachsen zuschauen. Unsere Riesenröhre dagegen ist für den Zoll interessant, um komplette Container zu untersuchen. Und die Autoindustrie fährt sicherheitsrelevante Gussteile wie Räder, die Stück für Stück geprüft werden müssen, in hohem Tempo durch unsere automatisierten und intelligenten Röntgenanlagen.

Spannende Themen. Wie attraktiv sind Sie damit für wissenschaftlichen Nachwuchs?

Wir sehen uns als eine Art Durchlauferhitzer. Wir wollen junge Leute ausbilden, für Forschung begeistern und für die Industrie fit machen. Da finden wir gerade in Fürth viel Potential, allein wenn ich mir die Schullandschaft anschaue. Allerdings brauchen wir auch einen festen Stamm an erfahrenen Wissenschaftlern, Informatikern, Physikern, Forschern – und hier sind wir natürlich im Wettbewerb mit allen anderen großen Unternehmen.

„Nicht bang um wissenschaftlichen Nachwuchs“: Optimistischer Prof. Dr. Randolf Hanke. ©Stadt Fürth

Mit welchen drei Argumenten würden Sie denn die Menschen nach Fürth locken?

Vor allem mit der Lebensqualität. Denken Sie an die Kulturlandschaft, etwa die Comödie, das Stadttheater und die vielen Kleinkunstbühnen. An das Innenstadtbild, das sich enorm weiterentwickelt hat. An die vergleichsweise noch günstigen Mieten. Einen Stadtpark, wie Sie ihn sonst in ganz Bayern nicht finden. Das alles in Verbindung mit hervorragender Forschungsinfrastruktur in der Metropolregion, mit der Nähe zur Universität, zum Max-Planck in Erlangen, aber auch nach Nürnberg. Und nicht zuletzt sind wir hier Pioniere. Wir treiben die Dynamik in der Forschung mit voran. Und dabei spüren wir den wirklich bemerkenswerten Mut der Politik zu neuen Ideen.

Vor dem größten CT-Scanner der Welt. ©Stadt Fürth
Voll belastbar: Bestandene Materialprüfung für den grünen Stuhl, der in diesem Interview zum Einsatz kam. ©EZRT Fürth

Damit dürfte man bei Ihnen als Forschergeist ja offene Türen einrennen.

Ja. Ich erinnere mich gut an einen Politikerbesuch Ende der neunziger Jahre. „Hier in Fürth – Forschung? Nie“, hieß es da. Und anschließend gab’s das Startgeld. Fürth und Fraunhofer haben mir schon auch ermöglicht, a weng a Spinner sein zu dürfen.

"Größter und kleinster CT-Scanner": Weltrekorde aus Fürth. ©Stadt Fürth
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Zur Person
Prof. Dr.-Ing. Randolf Hanke

Der Weg zum renommierten Physiker und Lehrstuhlinhaber war für Prof. Dr.-Ing. Randolf Hanke nicht vorgezeichnet: Mit achtzehn flog der gebürtige Bamberger erst mal von der Schule. Heute ist er unter anderem Leiter des Fraunhofer Instituts für zerstörungsfreie Prüfsysteme (IZFP), Stellvertretender Leiter des Fraunhofer Institutes für Integrierte Schaltungen (IIS) und Bereichsleiter des Entwicklungszentrums Röntgentechnik (EZRT) Fürth. Der Zigarillo-, Musik-, Kunst- und Motorradliebhaber engagiert sich seit langem für die Region und ihre Menschen – zum Beispiel als Schülercoach in Diensten der Stiftergemeinschaft Fürth.